Gründung des Au-Konsortium

Ende März 1911 sollte die Gasthof-Liegenschaft auf öffentlicher Gant versteigert werden. Viele interessierten sich für das Gut. Zum einen waren es Private, die sich hier in herrlicher Lage einen Wohnsitz einrichten wollten, zum anderen geschäftstüchtige Liegenschaftshändler, die in Parzellierung und möglichst intensiver Überbauung ein gutes Geschäft witterten. In beiden Fällen wäre die prächtige Halbinsel Au der Öffentlichkeit wohl für immer verlorengegangen. Weitsichtige Bürger erkannten diese Gefahr. Wie sollte man ihr aber begegnen?

In dieser kritischen Situation schaltete sich Fritz Weber-Lehnert (1870–1955) ein und handelte. Die Motive, die ihn zur Tat veranlassten, waren verschiedener Art. In einer Zeit, wo dies alles andere als selbstverständlich war, setzte sich Brauereibesitzer Fritz Weber leidenschaftlich für die Belange des Heimatschutzes ein. Bereits 1899 hatte er mit Erfolg die Burgruine Alt-Wädenswil gerettet. Auch die Halbinsel Au sollte geschützt werden und öffentlich zugänglich sein. Fritz Weber handelte aber auch als Staatsbürger. Als ehemaliger Gemeindepräsident von Wädenswil kannte er die Bedürfnisse seiner Mitbürger und wusste, welchen nicht wieder gutzumachenden Verlust es bedeuten würde, wenn dieses prächtige Nahausflugsziel im Gemeindebann der Allgemeinheit verlorenginge. Zur grossen uneigennützigen Idee, die Fritz Weber zu raschem Handeln drängte, traten reale Beweggründe. Als Brauereibesitzer hatte er ein Interesse daran, dass der Bierabsatz auf der Halbinsel weiterhin möglich war. Als prominentes Mitglied des Verwaltungsrates der Zürcher-Dampfboot-Gesellschaft schliesslich beschäftigte ihn der Gedanke, die Au könnte für die Zürichsee-Schifffahrt gesperrt werden. Dies wäre für das Unternehmen ein schwerer Schlag gewesen, brachten doch die Dampfer alljährlich Zehntausende von Menschen zu diesem beliebten Ausflugsziel am Zürichsee.

Die Zeit drängte. Die konkursamtliche Versteigerung stand unmittelbar bevor. Sie musste unter allen Umständen verhindert werden. Fritz Weber setzte sich mit Johannes Schäppi und dessen Gläubigern in Verbindung und konnte mit ihnen einen Kaufpreis von 170‘000 Franken aushandeln. Wohl hätten die «Gebrüder Weber» die Liegenschaft jetzt auf eigenen Namen erwerben können. Dies entsprach aber nicht ihrer Idee. Denn nicht eine Firma oder Familie allein, sondern ein Konsortium sollte dafür garantieren, dass die Au der Öffentlichkeit für alle Zeiten zugänglich blieb.

Die zur Verfügung stehende Zeit war zu knapp, um ein Konsortium zu gründen. In dieser Lage rief Fritz Weber die Verwaltungsratsmitglieder der Zürcher-Dampfboot-Gesellschaft zusammen. Er erklärte ihnen die Situation und verstand es, sie für seine Idee zu begeistern. Fünf Herren des Verwaltungsrates, nämlich Fritz Weber-Lehnert (Wädenswil), Edwin Brunner-Vogt (Küsnacht), Hans Vogel-Fierz (Zürich), Alwin Leuzinger (Thalwil) und Jacques Weber (Zürich) bildeten ad hoc eine einfache Gesellschaft. Am 23. März 1911, am Abend vor der angesetzten amtlichen Versteigerung der Liegenschaft, unterzeichneten sie auf dem Notariat Wädenswil einen Kaufvertrag, nach welchem das Gast- und Kurhaus samt weiteren Gebäuden und Umschwung den Eigentümer wechselte. Der Kaufpreis von 170‘000 Franken entsprach der durch Schuldbriefe ausgewiesenen finanziellen Belastung.

Damit war der Initiative von Fritz-Weber-Lehnert grosser Erfolg beschieden. Zu Recht erinnert heute am Weg zum Schiffsteg ein Gedenkstein an seine weitsichtige Tat.

Damit war der entscheidende erste Schritt getan

Nun konnte man an die Konstituierung des Au-Konsortium gehen. Man bemühte sich, vor allem in Wädenswil gleichgesinnte Männer zu finden. Diese sollten bereit sein, unter Verzicht auf wirtschaftliche Gewinne finanzielle Engagements einzugehen. Der Erfolg blieb nicht aus. Begeistert von der grossartigen Idee, verpflichteten sich neun Wädenswiler, einem Au-Konsortium als Genossenschafter beizutreten: Heinrich Blattmann-Ziegler; Kantonsrat Jacques Brändli-Weber; Emil Hauser, Bankdirektor; Victor Hauser, Horgen; August Meyer-Brändli; Rudolf Scherer, Holzmoosrüti; Eduard Schoch, zum Engel; Gemeindepräsident Franz Weber-Hauser; Fritz WeberLehnert.

Zusammen mit den fünf Verwaltungsräten der Zürcher-Dampfboot-Gesellschaft gehörten sie zu den 14 ersten Genossenschaftern. In der konstituierenden Sitzung vom 19. Mai 1911 wurde Fritz Weber zum Präsidenten des Au-Konsortium gewählt. Gleichzeitig genehmigte man die vom späteren Bundesrichter Victor Hauser verfassten Statuten. Darin hiess es unter anderem: «Die Genossenschaft Au-Konsortium mit Sitz in Wädenswil wird gebildet zum Zwecke, die Liegenschaft zur Au zu erwerben und die Au im Interesse des Fremdenverkehrs am Zürichsee als einen dem Publikum zugänglichen Ausflugsort zu erhalten.» Und weiter: «Das Gasthaus selbst, dessen nächste Umgebung, der Zugang zum Dampfschiffsteg sowie der letztere selbst dürfen nur durch einstimmigen Beschluss aller Genossenschafter veräussert werden.» Mit dieser Bestimmung wollte man der Idee der Gründer für alle Zeiten Nachachtung verschaffen. Die Einstimmigkeit bezog sich nur auf einen Verkauf des Gasthauses mit Umgelände und Zugangsweg, nicht aber auf das übrige Land. Immerhin wurde ein Grundstückverkauf erschwert, indem die Statuten ein qualifiziertes Mehr von zwei Dritteln der Stimmen verlangten.

Am 21. September 1911 wurde die neu gegründete «Genossenschaft Au-Konsortium in Wädenswil» ins Handelsregister eingetragen. Am 22. Februar 1912 ging die Obere Au ins Eigentum des Au-Konsortium über, und die einfache Gesellschaft der fünf Käufer löste sich auf.

Dem Au-Konsortium gehörten nun folgende Bauten und Grundstücke:

  • Ein Wohn-, Gast- und Kurhaus mit zwei Zinnenanbauten von 1875
  • Zwei Scheunen mit Einfahrt und Schopfanbauten
  • Eine Trinkhalle
  • Ein Kegelbahngebäude
  • Eine Schifflände
  • Eine Landanlage
  • Ein Badehäuschen
  • Zirka 13 Hektaren Wiesen, Garten, Anlagen und Reben
  • 56 Aren Ried zwischen der Au und Naglikon.

Im Jahre 1912 traten dem Au-Konsortium weitere Mitglieder bei, nämlich Direktor Th. Kappeler und Ingenieur Gustave Naville (Kilchberg) von der Zürcher-Dampfboot-Gesellschaft, die Nachbarin Frau Fanny Moser-Sulzer auf der Hinteren Au, Heinrich Hüni in Horgen, Emil Orell in Richterswil und folgende Wädenswiler: Apotheker Friedrich Steinfels, Dr. med. C. Bürgi, Zahnarzt Dr. Eugen Müller, Malermeister Gustav Müller, Seidenfabrikant Emil Gessner-Heusser, Baumeister Alfred Dietliker.

Brochure ''100 Jahre Au-Konsortium''

Gerne senden wir Ihnen auf Anfrage ein Exemplar der Brochure "100 Jahre Au-Konsortium". Wir möchten uns herzlich bei Herr Professor Ziegler für seinen Einsatz bedanken.