Ein Ort der Geschichte

Nach heutiger Kenntnis ist die Halbinsel Au das früheste besiedelte Gebiet innerhalb der Wädenswiler Grenzen. Am flachen Ufer des Zürichsees bei der Vorderen Au stiessen tauchende Archäologen 1996/97 auf Siedlungsreste der Jungsteinzeit (um 2700 v. Chr.) und der Frühbronzezeit (um 1600 v. Chr.). Bei der Hinteren Au konnten Siedlungen der Jungsteinzeit und der Spätbronzezeit (um 800 v. Chr.) nachgewiesen werden.

Urkundlich erwähnt wird die Halbinsel Au erstmals im Jahre 1316 als «owe», was Land am Wasser bedeutet. Das Gebiet gehörte von 1287 bis 1549 zur Johanniterkommende Wädenswil. Diese besass nachweisbar seit 1484 einen Lehenhof in der Hinteren Au und nutzte vor allem den Eichenwald, der sich über den ganzen Hügel erstreckte. Auch der Staat Zürich, von 1550 bis 1835 Eigentümer der Au, nutzte vor allem den Wald: für den Bau der Schiffe der Zürichsee-Flotte, für Festungswerke, Palisaden, Signalmasten der Hochwachten, Trottbäume und für Reparaturen an Kirchen-, Pfarr- und Schulhäusern in der Umgebung.

1650 liess Oberst Johann Rudolf Werdmüller (1614–1677) am Platz des Bauernhofes auf der Hinteren Au eine Villa bauen, Vorläufer des 1928/29 erstellten Schlosses Au. Hier schaltete und waltete er bis 1659 so, wie es Conrad Ferdinand Meyer in seiner Novelle «Der Schuss von der Kanzel» 1878 quellennah geschildert hat.

Die Halbinsel im Privatbesitz

Der liberale Umschwung von 1830/31 brachte dem Staat Zürich neue Aufgaben, die finanziert werden mussten, zum Beispiel: Bau von Universität, Kantonsspital, Staatsstrassen, Ersatz der Naturalbesoldung der Pfarrer durch Geldlohn. Um die Finanzierung zu sichern, veräusserte der Staat Grundeigentum, nebst Pfarrpfrundgütern und ehemaligen Landvogteischlössern auch einen grossen Teil der Halbinsel Au.

Auf der öffentlichen Gant vom 23. Juni 1835 erhielt Konrad Stünzi in Horgen den Zuschlag für 54 Jucharten Land im mittleren Teil der Halbinsel, umfassend 46 Jucharten Laub- und Nadelwald, 8 Jucharten Reben und etwas Wiesland. Den südöstlichen Teil im Ausmass von 6 Jucharten behielt der Kanton einstweilen, verkaufte ihn aber 1840 dem Bauern Kaspar Blattmann. Hier wurden in der Folge zwei Wohnhäuser und eine Scheune erstellt. Dr. Charles Simon (1862–1942) liess sie 1915 abbrechen und durch das «Simongut» ersetzen, das seit 1977 vom Kanton Zürich als Schulungszentrum genutzt wird.

Noch 1835 nahm Konrad Stünzi den Teilhaber Heinrich Leuthold aus Oberrieden auf. Als Erstes rodeten die beiden neuen Eigentümer den Eichenwald und leiteten einen gewinnbringenden Handel in die Wege. Mit Bedauern stellte der Historiker Gerold Meyer von Knonau im Jahre 1846 fest, die schöne Halbinsel Au sei dadurch «in einen geschorenen Pudel» verwandelt worden.

Gemeinsam liessen Stünzi und Leuthold 1838 am Zugang zur Halbinsel ein grosses Bauernhaus mit Scheune erstellen und teilten es hälftig auf. 1855 verkaufte Konrad Stünzi seinen Hausteil samt zugehörigem Land an die Brüder Johannes und Julius Stünzi. Diese gerieten 1878 in Konkurs, und die Leihkasse Wädenswil als Besitzerin der Konkursmasse veräusserte die Güter auf der Au an die Brüder Heinrich und Arnold Leuthold, die 1864 gemeinsam die Au-Güter ihres Vaters Heinrich Leuthold erworben hatten.